Aktuelles aus der Weizenzucht

Aktuelles aus der Weizenzucht

Das geänderte Düngegesetz ist seit März beschlossene Sache. Die Umsetzung der Nitratrichtlinie stellt die Pflanzenzüchter vor neue Herausforderungen. Darüber hinaus fehlt züchterische Routine bei der Resistenzzüchtung gegen Virosen und Insekten.

Nicht nur Landwirte sind betroffen, wenn sukzessive weniger Pflanzenschutzmittel zugelassen werden oder das geänderte Düngegesetz eine verminderte N-Düngung vorschreibt. Auch Pflanzenzüchter sind durch diese neuen Rahmenbedingungen herausgefordert. Denn die reduzierte N-Düngung soll zwar Umwelt und Gewässer schonen, doch dort, wo der Pflanze Dünger fehlt, liefert diese auch weniger Ertrag oder niedrigere Proteingehalte. Weniger Stickstoff für Winterweizen werde sich auf dessen Ertrag und Qualität auswirken, sagte Dr. Johannes Schacht, Weizenzüchter bei Limagrain, in diesem Zusammenhang am Mittwoch auf dem Saatguthandelstag in Magdeburg. Er stellte drei verschiedene Hypothesen auf: Praxiserträge könnten stagnieren, denn das genetische Ertragspotenzial der neuen Sorten könne nicht mehr abgerufen werden. Außerdem könnten Proteingehalte absinken, denn unter den neuen Bedingungen würde zunächst der Ertrag bedient. Im Anbau führe dies schließlich zu einer Sortimentsveränderung von E-, A-, B- und C-Weizen.

Darüber hinaus müsse eine optimale Balance zwischen Kornertrag und Rohprotein erst neu gefunden werden. Somit seien diese neuen Rahmenbedingungen für Pflanzenzüchter eine Herausforderung.

In diesem Zusammenhang gewinnt die Züchtung auf Nährstoffeffizienz, sprich Kornertrag pro Stickstoffangebot, rasant an Bedeutung. Zum einen braucht man nun Pflanzen, die trotz eines geringen Stickstoffangebots eine gute Aufnahmefähigkeit besitzen. Zum anderen muss die Weizenpflanze dies auch gut verwerten. Die Wurzelleistung der jeweiligen Züchtungen rückt deswegen zunehmend in den Fokus der Wissenschaftler, Landwirte und Experten.

Dennoch sei die Züchtung auf Nährstoffeffizienz aufwendig und teuer – vor allem, weil diese ein komplexes Merkmal ist. Potenzial vermutet Johannes Schacht daher auch in der Hybridzüchtung von Weizen, denn Hybride saugen Nährstoffe deutlich effizienter auf.

Ganz anders sieht es seiner Meinung nach aus, wenn Restriktionen im Pflanzenschutz verhängt würden. Dies würde der Züchtung wieder neue Möglichkeiten eröffnen, wie auf dem Saatguthandelstag zu hören war. So bestätigte es auch Schacht in seinem Vortrag. Denn die Züchtung, inklusive der Resistenzzüchtung, sei bereits sehr gut vorbereitet. „Variation im Zuchtmaterial ist vorhanden“, so Schacht.

Dieses habe sich allerdings aufgrund niedrigerer Ertragsleistung resistenter Sorten bisher in der Praxis nicht durchsetzen können. Lediglich gegen Virosen und Insekten sind Züchter noch nicht gut gerüstet.

Bei der Entwicklung neuer Weizensorten, die beispielsweise gegen die Weizengallmücke oder den Weizenverzwergungsvirus resistent sind, erwartet Schacht Schwierigkeiten. Anhand dieser Diskussion wird deutlich, dass die Sorte nur eine der möglichen Stellschrauben ist, um Erträge und Qualitäten zu sichern. Zukünftige Sortenentwicklungen bei Praxiserträgen sind daher ebenso vom Zusammenspiel der Anbaufaktoren abhängig. Züchter müssen ihre Selektionsentscheidungen entsprechend der pflanzenbaulichen Praxis anpassen.

Zurück